PIEMONT – ein wenig bekanntes Italien
Alle bekannten Italienliebhaber
bereisten den Stiefel bis zum südlichsten Zipfel Siziliens
- doch wo sind die Erzählungen, Gedichte oder Reiseberichte
von Goethe, Hesse,
Hemingway, um nur einige zu nennen? Über die Toskana
und über Venetien werden seit vielen Jahrhunderten
Loblieder gesungen, aber das Piemont, ganz im Westen Italiens
bleibt links liegen. Zum Glück! Hier erlebt man Italien
pur! Keine überlaufenen Sehenswürdigkeiten, keine
Touristenhorden auf romantischen Plätzen oder in den
verwinkelten Gassen der idyllischen Dörfer und Städtchen.
Auf den Speisekarten sind keine Menu-Turistico in deutsch,
englisch, holländisch zu finden. Auch keine Reisebusse
versperren überfüllte Zufahrtsstraßen in
die Städte. Hier erlebt man Italien noch italienisch!
Das piemontesische Hügelland besitzt
freundliche Winkel von unveränderter Schönheit.
Eine entspannende Landschaft, eine Oase des Friedens, die
durch ihren, dem Menschen gerechten Lebensrhythmus bezaubert
und dazu einlädt, die Bedeutung
einer jahrtausendealten Kultur wiederzuentdecken. Und dann
die Freude am guten Essen, an den bedeutenden Weinen und
den Früchten dieses großzügigen Landes.
Das ist der Zauber des Hügellands von Piemont.
Nicht Florenz, Mailand oder Rom bewirkten die Gründung
der italienischen Nation, sondern es war die piemontesische
Bourgeoisie und das Königshaus Sardinien-Piemont. Die
erste italienische Hauptstadt hieß Turin.
Und auch heute noch ist die Strenge des früheren Adels
spür- und greifbar. Das Piemont verfügt über
ein reiches Kulturgut, herrliche Landschaften, großartige
Weine und eine vorzügliche Gastronomie. Ein Traumziel
für unterschiedlich interessierte Besucher. Dieses
Schlaraffenland Piemont, gliedert sich in drei sehr unterschiedliche
Landschaften, die in ihrer Gesamtheit den besonderen Reiz
dieser Gegend ausmachen:
Das Gebirge
Piemont
bedeutet „am Fuß der Berge“ – tatsächlich
ist dieser Landstrich zu einem großen Teil von den
Alpen - einer Kette von prächtigen, schneebedeckten
Gipfeln (den höchsten in Europa) – umgeben. Das
Piemont wird im Norden von den Schweizer Hochalpen, im Westen
von den Bergen Frankreichs und im Süden von den Ligurischen
Seealpen begrenzt. Zu den bekanntesten Bergen zählen
der Monte Bianco, Monte Rosa, Gran Paradiso, und Monviso.
Insgesamt 550 km Gebirgsketten umgeben das Piemont. In den
vielen Alpentälern wie Val D’Aosta, Val Maira,
Val Susa, Val Seisa und den typischen Bergdörfern kann
man überwältigende Naturschönheiten genießen.
Das Gebirge verzaubert zu jeder Jahreszeit, aber die zahlreichen
Wintersportmöglichkeiten machen das Piemont auch im
Winter besonders anziehend.
Die Po-Ebene
und die Seen
Piemont ist reich an Seen und diese Region durch ihre Seen
kennen zu lernen, bedeutet unendliche landschaftliche Schönheiten
zu genießen. Der Lago Maggiore und
auch der Lago d’ Orta sind schon immer bekannte Touristenziele.
An ihren Ufern zeugen Villen inmitten schattiger Parks oder
eingerahmt von einer bunten Blumenpracht von Luxus und mondäner
Welt. In der Po-Ebene verfügt das Piemont über
weites, fruchtbares Ackerland. In den Provinzen Vercelli
und Novara liegen die größten Reisfelder Europas.
Die heutige Po-Ebene war einst ein tiefer, schmaler Meeresgraben,
der von den Gebirgsflüssen zugeschüttet wurde,
allen voran vom Po, der an den Hängen des Monviso entspringt.
Das Hügelland
Das Hügelland von Piemont unterteilt sich in das Monferrato,
die Langhe und das Roero. Ein sanftes Auf und Ab der Weinberge,
hier schlägt das Herz des Piemont. Dieses
„Meer“ von fruchtbaren Hügeln entstand
durch eine eigene, jedoch weniger ausgeprägte Faltung,
die parallel zur Entstehung der Alpen verlief.
Das gesamte Hügelland besteht aus weichem Sedimentgestein.
Die grenzenlos ausrollenden Hügelketten, die weinbedeckten
Hänge und Kuppen, versehen mit einer Vielzahl von Burgen,
Schlössern und Dörfern - das Land der 1000 Türme
- eine so klare Feudallandschaft ist in Italien einmalig.
(Dumont).
Das
Monferrato beginnt am südlichen Ufer des Po und zieht
sich bis zur Stadt Alba hin. Das Monferrato ist eine ausgedehnte
Hügellandschaft und ist reich an Schlössern, Burgen
und romanischen Kirchen. Hier wird die Muskatellertraube,
die zu süßem Dessertwein oder zu Spumante verarbeitet
wird, angebaut. Aber auch der Barbera D'Asti ist weit über
die Grenzen des Piemonts bekannt. Die Hauptstadt des Monferrato
ist Asti. Sehenswerte kleinere Städte im Monferrato
sind Canelli, Cocconato, Moncalvo, Montechiaro d’Asti,
Vignale.
Die Langhe erstrecken sich südlich
von Alba bis zum ligurischen Apennin und sind ein großes
Labyrinth von aufeinanderfolgenden Straßen, die hinter
jeder Kurve den Blick auf eine neue, unvorhersehbare Landschaft
erschließen. Eingeengt zwischen den Flüssen Tanaro
und Bormida ist die anmutige und lebendige Stadt Alba die
Hauptstadt der Langhe. 10 Kilometer entfernt liegt der berühmte
Weinort Barolo. Umschweifend von einem Ort zum anderen,
verliert sich der Blick zwischen systematisch angeordneten
Weinbergen und im Herbst zwischen den schwarzen Trauben
des wertvollen
Nebbiolo, der in dreijähriger Ablagerung in Holzfässern
zum begehrten Barolo heranreift. Weinberge soweit das Auge
reicht. Viele kleine Dörfer, die von Festungen oder
Burgen gekrönt sind, bieten reiche Abwechslung. Weiter
südlich wird es wilder und einsamer, die Hügel
sind von Mischwäldern aus Kastanien, Pinien, Akazien
und Eichen bedeckt. Die Bauern haben sich auf den Anbau
von Haselnüssen spezialisiert. Aber auch der Zucht
von Schafen und Kühen für die Käseproduktion
fällt eine große Bedeutung zu. Weitere sehenswerte
Städte in den Langhe: Alba, Monforte d’Alba,
Serralunga d’Alba, Cherasco und Neive.
Das Roero schließt sich nordwestlich
an die Langhe und beeindruckt mit den starken erodierten
Hügeln, die zur Turiner Ebene hin sanft abfallen. Im
Roero verliert sich der Blick in einem Mosaik von mittelalterlichen
Dörfern, herrlichen Schlössern und Türmen,
grünen Hügeln, wo sich Obstgärten und Nusshaine,
Waldgebiete und Weinhänge miteinander verschlingen.
Das Roero ist ein Gebiet von vielfältigen wirtschaftlichen
Quellen.
Hier werden die renommiertesten Weine produziert: Arneis,
Roero, Nebbiolo, Moscato, Dolcetto und Favorita. Und hier
werden auch die köstlichsten Früchte wie Pfirsiche,
Erdbeeren und Birnen angepflanzt. Und nicht zu vergessen
Spargel, Kastanien, Pilze und Trüffel. Die Hauptstadt
des Roero ist Bra, weitere sehenswerte kleine Städte
sind: Canale, Castellinaldo und Monticello d’Alba.
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